(kleine HeiligAbend-Szene mit 4 Freunden,
munterer Musik und einem Gastauftritt der Muppets)
- Skizze -
um den Esstisch sitzen satt und guter Dinge
Anna, Gülisan, Achim und Simon
hocken vor den Resten ihres Mahls:
eine mediterrane Kartoffelsalatvariante und
Wiener Würstchen
Rinderköfte und Bulgursalat mit Minze /
Vogelmilch Konfekt Geschmacksrichtung Vanille
Bratäpfel und
Waldmeister-Wackelpudding auf Vodkabasis
als koscheres Dessert
dazwischen Gläser Tassen Flaschen
Wein und Bier und Mocca
eine Shisha eine Bong sie hören
'Ihr Kinderlein kommet' von den Toten Hosen
„oh kommet doch all / und seht was in dieser
hochheiligen Nacht
das Gras aus Jamaika für Freude uns macht“
am Ende des Liedes wirft Anna ihren Blick
Richtung Zimmerdecke und sagt:
lieber Christengott, für den Fall, dass es Dich gibt
möcht ich Dich jetzt freundlich bitten:
vergib den Menschen
ihre Weihnachtsfeiern. und erlöse sie von allen Übeln
speziell von dem der Banker und Nazis, grinst Achim
Simon sagt:
schlagt ihm lieber vor, diesen Planeten zu erlösen,
vom Übel der Menschkreatur
ach die Menschheit, meint Anna, dauert eh
nicht mehr ewig, ist nur ein winziger Ausrutscher
in der Entropie des Universums.
Ausrutsch und Wegflutsch. nicht weiter wichtig
sie lachen und Gülisan sagt: chapeaux!
jetzt lasst uns froh und munter sein
und lieb zu den Menschen, dann klappts auch
besser mit dem
Weltfrieden, amin / während sie den Rest
des Wackelpuddings vernaschen
reden sie gutgelauntes Zeug, dann ziehn sie los
durch die Strassen, zur Stammkneipe /
die alljährliche HeiligAbendParty
beliebtes Motto-Event neben Indie-Nächten,
Poetry Slams und Retro-Feten
sie feiern dort weiter in fröhlicher Runde
verschwenden sinnvoll ihr Weihnachtsgeld
und bescheren sich mit Lachgeschenken
irgendwann läuft auf dem Flatscreen ein Video
von den Muppets
sie singen den Jingle Bell Rock / und die ganze Kneipe stimmt ein:
„kriegt auch das Christkind dabei einen Schock-
JINGLE AROUND THE CLOCK!"
... nach dem ersten Schreck tanzt es dann doch
Gülesin tanzt schon lange
mit ihrem Kollegen aus der Pathologie
Achim erinnert Simon daran, dass der singende
Muppet Dr. Goldzahn auch diese verdammt
feine Maschine erfunden hat
die pures Gold in Hüttenkäse verwandelt
und Simon sagt: Ich könnt jetzt glatt schon wieder
was essen / Anna war kurz auf dem Klo
hat an Miss Piggy gedacht und etwas verspätet
fiel ihr ein frommer Weihnachtwunsch ein
den schreibt sie jetzt lächelnd
mit schwarzem Kajal auf den Spiegel:
liebes Christkind,
lass mich wenigstens einmal im Leben
als Schwein durchs Weltall schweben
LG Deine Anna
monehartman - 30. Nov, 22:49
die Lichter der Lampen im Stadtpark
tanzen blass auf schmutzigen Nebeltröpfchen
braune Baumskelette stecken tief
im laubigen Matsch der frühen Morgenkälte
aus dem Schweigen dieser Gerippe fallen plötzlich
hundert Raben Richtung Himmel
zerreissen die Luft mit hartem Geschrei
tragen auf schwarzen Flügeln
den drohenden Tod in die Welt
ich rieche mein Sterben
und atme das Lächeln meines Engels
der mir mit seiner Honigzunge
eine warme Sonne ins Herz küsst
dass mir der Frühling lacht in Winternächten
und hundert Raben werden meine Freunde
begleiten mich mit weichem Gekreisch
auf dem Weg ins ewige Etwas
(1. Entwurf)
monehartman - 22. Okt, 01:11
der Abendhimmel gelblichgrau, drunter bläulichdunkel
Zerrissenheiten schnell + Wind + Wind + Wolkenfetzen
durch die Bäume lautes Rauschen,
kein Vogel singt / die Vögel
schweigen
ich aber
schrei zum Wettergott
auf der Wiese vorm Haus
der Himmel heult mich nass + grollt mir donnernd um den Schädel
wild wild wilder will ich Wetter,
Sturmpeitsche + Regensturz: flute meine Keller,
ertränk die Leichen, die da liegen,
spühl den Moder hoch + raus
weh die Verwesung aus dem Gemäuer
schlag mir Positivblitze ins Hirn + mach mir den Geist hell
der Wettergott schickt helles Zucken
Blitze krachen
keiner schlägt ein
auch sonst geschieht mein Wille nicht
leg mich rücklings auf die Wiese, lass mich vom Gewitter küssen + grabe mit den Fingernägeln Grasbüschel aus
später lieg ich im wohligen Bett
frischgekühlt + klargeregnet
vier Stockwerke über meinen dunklen Kellern
und ich denk: was wärn die auch schon ohne Leichen
wie ein Erdgeschoss ohne klopfende Herzen
ein Dachstuhl ohne Fledermäuse
mit Mondscheinlächeln auf dem Gesicht
folg ich dem lieblichen Lockruf des Traumes
der mich erlösen wird von mir + der Welt + den Hinterhofratten
ein paar Stunden, dann bin ich wieder der komische Vogel
der den frühen Wurm frisst
+ gutgelaunt in den Tagesaufgang zwitschert
monehartman - 18. Sep, 18:18
Werde wach und stelle beim ersten Kaffee fest: Ich lebe! Nouveau jour, nouveau jeu, nouvelle chance.
Der Rest ergibt sich. So oder so.
monehartman - 13. Sep, 06:11
besudelt war das Kind seit Geburt
mit den geerbten Sünden
des teuflischen Vaters
(Vater nicht unser!)
das steckt in der Genetik
und ein Apfel fällt nicht weit
so sagt man
vom Stamm
so brachten sie das besudelte Kind
in einen Waschsalon
doch auch nach zehn Gängen
bei neunzig Grad in der Maschine
war das Kind nicht reingewaschen
immer noch Flecken,
so sagte die Mutter
trotzdem dankten sie am Ende:
für die Erlösung vom Bösen
die Sünden des teuflischen Vaters
(Vater nicht unser!)
zwar liess das Kind sich nicht säubern
doch wegen einer Waschmittelunverträglichkeit
war es an den Folgen des allergischen Schocks
recht bald gestorben
monehartman - 31. Jul, 21:43
auf Twitter:

monehartman - 22. Jul, 22:19
facebook-posting, gestern:

monehartman - 22. Jul, 16:31
es war einmal!
ist lang schon her
wir nährten uns
von Sommerlicht und Honigbrot
tranken unser Leuchten mit Gier
öffneten die Venen unter der Haut
süssgolden durchgiftet
waren wir grösser als alle Götter
tanzten durch Milchstrassen
Richtung unendlich
schrieben heilige Küsse ins Universum
unserer künstlichen Paradiese
Sommerlicht und Honigbrot
durchgiftet süss und golden
und niemals wirklich satt
fand man uns nach Jahrmillionen:
zwei Ratten, das stumpfe Fell
schon lang nicht mehr geputzt
wir hatten unsere Kinder gefressen
und einen letzten Kuss
in den Rinnstein gekotzt
es war einmal!
ist lang schon her
und weil wir nicht gestorben sind
bluten wir heut noch dann und wann
einen Hunger in den Himmel
nach Sommerlicht und Honigbrot
wir stillen diese Gier
lächelnd mit Erinnerung
durchrauschen uns mit Küssen
die grösser sind als alle Götter
und tiefer gehn als Ewigkeit
monehartman - 16. Jun, 07:29
früh ganz früh der tag noch
grau & vögel singen einen
traum von heiterem leicht
befreien das hirn aus dem
stickicht wiederkehrender idiotismen
frisch so frisch ein wind geht ins zimmer
& ein lauter lastkraftwagen erstickt
in der frühsüssen zwitscherei
während irgendwo in wäldern
eine wölfin mein herzblut
in den himmel heult
fängt mich ein gedanke
an dich, der schliesst mir die augen
& schickt mich mit lächeln
in ein schönes paralleluniversum
monehartman - 7. Jun, 05:48
am himmelhellen Mittagsblau
lacht ein weissgelber Ball
der strahlt wie Fukushima
bald wird uns der Pazifik beschenken
mit dreiköpfigen Riesenfischen
die liegen dann bratfertig filetiert
im Tiefkühlfach bei Aldi: günstige Delikatesse
für Hungerlöhner und Hartz-Empfänger
hör die Vögel,
sagst du mir,
hör doch die Vögel im Garten:
die haben noch ihre Lieder
bald werden uns auch die Frauen beschenken
die Fukushima-Frauen werden Freaks gebären
siamesische Zwillinge mit vier Köpfen oder
fünf Köpfe ohne Körper, bloss loses Gedärm
die Show geht weiter und Deutschland
sucht den Super-Freak
komm' lass uns tanzen,
sagst du mir,
draussen im Garten:
die Vögel singen so fröhliche Lieder
dann barfuss
auf unsrer bunten Blumenwiese
kussbetrunken tanzversunken
direkt unter einem Ozonloch
bis unsre Häute Blasen werfen
komm lass uns kühlen,
sagst du mir,
und wir springen in den Gartenteich
und schlucken und spucken
kein Wasser aber
das Kriegsblut aller Herren Länder
und glitschen am Grund mit unsren Füssen
durch modrige Kollateralschäden
komm in die Küche,
sagst du,
da herrscht noch Frieden bei null Millisievert
wir stolpern durch die Untergänge ins Haus
und sitzen bei Kaffee und Kuchen
bis am himmeldunklen Abendblau
ein silbriger Ball milde lächelt
und wenn die Vögel nächtens schweigen
hör ich in der Stille meiner schlaflosen Stunden
den dröhnenden Donnergalopp
der apokalyptischen Reiter
und wenn die Vögel nächtens schweigen,
sagst du mir,
hör ich das leise Lied deines Atmens
und alles ist gut
und erst dann,
wenn die Vögel für immer nie mehr singen
will ich mit dir beim letzten Pogo
auf eine Tretmine springen
hör die Lieder dieser Nacht,
sag ich dir,
hör doch die rauschvollen Thekenlieder:
komm lass uns trinken gehn
im Vergessen werden wir glücklich sein
bis morgen früh die Sonne wieder lacht
ja, sagst du mir,
lass uns ganz kräftig trinken gehn
im Vergessen werden wir glücklich sein
und morgen früh im Sonnenschein
werden wir mit den Vögeln
fröhliche Kampflieder singen
monehartman - 11. Apr, 10:24
Landschaft zieht am Blick vorbei
ein rosa Wolkenvogel schwingt sich weich
in den sonnigen Aufgang des Tages
entfliegt dem frühen Weiss
das dick um schwarze Bäume wabert
blattlose Äste
strecken sich Richtung Himmel
und ich würd so gern
dem Wolkenvogel folgen-
der fliegt hinter geschlossenen Lidern
leichter Traum und weltentrückt
und viel zu kurz-
eine Stimme zerrt mich
zurück in die Regionalbahn
"Nächster Halt: Soest.
Ausstieg in Fahrtrichtung links."
ein drängelnder Rotzer rempelt mich
mit seinem Rucksack
dann auf dem Bahnsteig
geh ich direkt zum Gleis gegenüber
gleich fährt ein Zug
zurück
einmal noch heut morgen
dem rosa Wolkenvogel folgen
irgendwo zwischen Borgeln und Welver
im dicken Nebel schlummern
irgendwo zwischen Hamm und Soest
sekundensüss verloren gehn
bis aus der Traum und Ausstieg
in Fahrtrichtung links
monehartman - 17. Mär, 22:33
heut war mir mal wieder
mein Teufel auf der Spur
folgte mir in den Supermarkt
ermächtigte sich meiner
und liess meine zittrigen Finger
nach einem Marzipanbrot greifen
mit Nougatfüllung
das ass ich weltentrückt
mit grossem Genuss
noch bevor es
an der Kasse bezahlt war
mein Teufel freute sich
und rechtfertigte mir ins Ohr:
ach schau Dir die Welt an,
schau sie Dir an!
diese apokalyptischen Zeiten
brauchen sporadisch Versüssung
ein schöner Rausch hier oder da,
eine Erhebung, ein Vergessen!
dann liess mich
mein Teufel wieder frei
und sagte fröhlich:
In Dope I Trust! wir sehn uns-
als ich nach Hause kam
stand mein Engel im Gewächshaus
und wässerte die Pflanzenpracht
monehartman - 17. Mär, 22:31
eine alte Lady sitzt im Lehnstuhl
trinkt eine Tasse Tee
raucht eine Pfeife und flieht aus
diesem schmutzigen Winterabend
träumt sich in süssen MaienMittag
zirrende Herrlichkeiten, harmlos weiss
in der azurblauen HochObenWelt
das limbische System
strahlt sonnenhell in dunkle Höhlen
wo dann bunte Lieder wachsen
bis hin zu satten Blumenwiesen
da tanzt sie, die alte Lady
im Rhythmus des Erdschlags
lacht ihren Liebsten herbei
der vor Jahren schon gestorben
seine Augen sind blau sind ihr Himmel
sein Kuss ist Milch ist Honig
und lächelnd
sitzt die alte Lady im Lehnstuhl
die letzte Pfütze Tee in der Tasse
ist so kalt geworden
wie die Asche im Pfeifenkopf
und schmutzignass der Winterabend
wenn das jetzt mein letzter Tanz war,
denkt sie, mein letzter Kuss, mein letzter Traum?
seine Augen sind blau sind
ihr Himmel
das wird schön dort, denkt sie
eine warme Ruhe drückt sie
tief in den Lehnstuhl
die alte Lady lächelt
fröhlich flattern blaue Bänder
und ewig tanzen die Toten
im süssen Klee des MaienMittags
monehartman - 17. Feb, 19:21
viel hab ich Dir bis jetzt
noch nicht versprochen
und werd mich immer
vor dem Rosengarten hüten
aber heute, mein Engel
am Tag der Liebenden
da schwör ich Dir mit Siegelkuss:
der Tag, an dem Du mich verlässt
ist der Tag, an dem ich Dich
töten muss
ohne mich
soll Dir
kein Leben sein
monehartman - 5. Feb, 22:02
den heutigen Tag
schlag ich Dir um die Ohren, mein Schatz
mit einem Kissen in Herzform
aus Kuschelplüsch
der silberne Ring
mit Liebesgravur
landet laut beim Altmetall
ich fress die roten Köpfe
der Rosen und zieh Dir dann
die dornigen Stiele
durchs Gesicht
Du solltest mich kennen:
Standard hab ich noch nie
wirklich gerne getanzt
also entweder jetzt Pogo
oder wir setzen uns erstmal
an den Tisch, den Du gedeckt
mit Kerzen Kitsch und Kram
- das Essen, Liebster,
ist nicht schlecht,
und wenn Du mir bis Mitternacht
eine blaue Blume aufs Kopfkissen legst
träum ich mich gerne
weiter durchs Leben mit Dir
monehartman - 5. Feb, 21:35
ein Wintertag
reinweiss gezuckert
und schallgedämpft
der Dreck ist weg
im Flockenversteck
die Stadt liegt hell
in prächtiger Unschuld
Schritte knirschen
im Schnee
zwei Kinder werfen sich
weisse Bälle an die Köpfe
und lachen, während
ein Mann auf einer Bank sitzt, regungslos
dick eingeschneit
unter der eisigen Kruste
ist sein Kornblut
ganz blau erfroren
der Tod ist weg
im Flockenversteck
und ein Rabe schreit
als hätte er Nietzsche gelesen
monehartman - 23. Dez, 16:40
sie zieht das Christkind an den Haaren herbei
schleift es am Blondschopf über den Boden
bis vor die grosse Yuccapalme
da liegt es dann und lächelt lieb
Ihr Kinderlein kommet! -sie ruft ihre Söhne:
nun seht was in dieser hochheiligen Nacht
die Mama die Mama mit Lieblächlern macht
sie tritt dem Christkind in die Magengrube
bis es Blut spuckt; tunkt ein Brot ins helle Rot
und reicht es den Söhnen zum Verzehr
die Kinder kauen widerwillig mit verzogenen Mäulern
spucken den blutigen Brotbrei dem Christkind ins Gesicht
und rufen: Wir wolln Böller statt Brot! Böller statt Brot!
niemals Frieden, lacht die Mutter, keine Gnade!
und geht mit den Söhnen in den Bastelkeller
dort bauen sie Brandbomben für die Silvesternacht
das Christkind hat die Wohnung schwebend verlassen
hinterlässt eine Tränenspur aus funkelndem Sternenstaub
und als ein Unfall im Bastelkeller das Haus in Flammen
lichterlodern lässt, da lächelt es wieder
**suche noch nach ner besseren Überschrift**
monehartman - 26. Nov, 02:10