„Kommste mit, eine rauchen?“, frag ich nen Kollegen. Der sagt: „Nö, geht grad nicht“. „Was machstn?“, will ich wissen. Kollege sagt: „Soldaten löschen“. Stutze kurz, aber nee, klar: er SOLL DATEN löschen, nicht Krieger, aber meinen Fehlversteher find ich interessanter: Lösch mal die Soldaten, Baby… alle und sofort.
Muttertag, heute. Kinder basteln da immer was. Oder malen bunte Bilder. Ich bin ein Kind. Ein älteres Kind. Ein kinderfreies Kind. Halte nicht viel von diesem "Ehrentag", eigentlich. Meine Mutter dagegen schon, sie hat die Familie zu Kaffee und selbstgebackenem Kuchen eingeladen. Weil ich sie lieb hab und mir ihr Kuchen immer gut schmeckt, tu ich ihr den Gefallen: Und schenk ihr auch ein Zeichen meiner Zuneigung. Für die Malerei hab ich kein Talent, schreib aber gern. Hab meiner Mutter einen Text gebastelt. Sie liest immer, was ich so produziere, und schüttelt dann meist mit einem Lachen den Kopf. Schreib doch mal was Schönes, ein richtiges Gedicht, so mit Reim, und ohne Blut und Saufen und Kotze und heftige Worte undso: Sagt sie manchmal. Einige meiner Prosa-Stücke allerdings findet sie auch schön und gibt sie Freundinnen zu lesen. Sie freut sich über meine Veröffentlichungen im Stadtmagazin und sonstwo. Wie auch immer, heut morgen beim dritten Kaffee und nach einem lustigen Zigarettchen hab ich wohlsonnigen Herzens an sie gedacht und ihr folgende Reimerei gebastelt...:
ach Mütterlein, ach Mütterlein
könnt ich ein Kind noch einmal sein
ich müsste nicht zur Arbeit gehn
Du sorgtest für mich, gut und schön
wir würden draussen im Garten spielen
du gäbst mir Bonbons: Vier von vielen
drei weitre nach dem Abendessen
und Zähneputzen nicht vergessen!
Die Mahnungen warn gut gemeint...
und gern hab ich bei Dir geweint
wenn Welt da draussen bös und bitter
oder ein drohliches Abendgewitter
Angst und Schmerzen umarmend versüsst
vor dem Schlafengehn geküsst
und wenn ich mal die Schule geschwänzt
haben wir beide gern faulgelenzt
ach Mutter Mutter Muttertier
ein Tässchen Kaffee im Jetzt und Hier
ein Stückchen Deiner Erdbeertorte
(ich find nicht ausreichend leckere Worte)
Prosecco und Caiphi im Café Central
trinken und reden wir Sorgen schmal
ach Mutter Mutter Muttertier
ich bin ganz ehrlich gern mit Dir
und Mütterlein, ach Mütterlein
ein ewiger Rotzer werd ich Dir sein
... und gestern bin ich wie alle Idioten durch die Geschäfte gerannt und hab ein Geschenk für meine Ma gesucht... obwohl, ich bin nicht wirklich ein Idiot: Ich schenke meiner Mutter gerne was und mach das auch öfters... ohne besonderen Anlass, einfach so. Ich schenke insgesamt gerne, nicht nur meiner Ma. Aber dass ich diesen Ehrentags-Hype mitmache, finde ich idiotisch, aus mehreren Gründen. Andererseits, würde ich diesen Tag ignorieren, wäre meine Mutter sicher gekränkt, und deshalb... mach ich gute Miene zu diesem Spiel. Und werde heut nachmittag leckeren Kuchen schlemmen...
Kürzlich las ich einen Artikel, demzufolge es in unseren Breitengraden die meisten Suizidfälle in den 'schönen' Monaten Mai und Juni gibt... jüngst stand ich wartend am Bahnhof, mein Zug hatte Verspätung wegen eines "Personenschadens"- war zwar noch April, aber irgendwer war schon auf die Gleise gehüpft. Da fiel spontan die folgende Reimerei aus mir raus:
Im schönen Wonnemonat Mai
Da war wieder ein Mensch vorbei
Der sprang vor einen schnellen Zug
Sie stand wartend am Bahnsteig, hatte genug
Von Selbstmördern, die auf Gleise springen
Weil die nur Zugverspätung bringen
Leichenteile von Schienen kratzen
Das wird ihr den Feierabend verpatzen
Und willst du je aus dem Leben scheiden
Machs korrekt, lass nicht andere leiden
Das Leben geht still auch mit Gift vorbei
Im schönen Wonnemonat Mai
Finde den Text nunmehr grauslich, hatte ihn aber vorschnell an den 'Willi' geschickt, unser Stadtmagazinchen, und es wurde abgedruckt, mein Name drunter, muss ich mich jetzt schämen?!! Weia...
"Ich male eine Frühlingsträne auf deinen Bauch": Dieser Satz steht mir im Sinn, während ich mich neben G. entspannt auf der breiten Couch lümmle und eine Zigarette rauche. Ich male eine Frühlingsträne auf deinen Bauch- ein Satz, der mir spontan gefällt. Daraus lässt sich was machen. Ein Lyrik-Stück, vielleicht. - Wäre "Sommerträne" besser?
Grauer Himmel fällt durchs geöffnete Fenster, Tauben gurren. G. liegt noch schlafend. Küche, Kaffee, Zigarette. Sequenzen der NachtWelt hängen nach. Einer, der aussieht wie der mittelalte Klaus Kinski, rennt lippengeschürzt auf mich zu und will mich küssen. Dann der Mund ganz nah, öffnet sich, ein fauliges Loch, schwarze Stumpen, die Zunge streckt sich eitrig mir entgegen, und ich renn weg, durch ein Haus, das ich nicht kenne, finde meine Wohnung nicht, plötzlich steht Lilli da, wir gehn ins Freibad, sagt sie, und dann sind wir an einem See, und ich stecke in brauner Brühe, dickflüssig, die stopft mir Mund und Nase, keine Luft mehr. Die NachtWeltSequenzen hängen nach. Meine Küche sieht so fremd aus. Der Kaffee schmeckt bitter. Die Zigarette lässt mich husten. Bücher auf dem Küchentisch. Kein Gedicht dabei, das nur für mich geschrieben wurde. Blättere und stecke noch nicht wirklich drin im Wach; "...gleichzeitig reißt / du die Haustür auf und siehst / nach, ob dir jemand das / Auto geklaut hat" (Bukowski, Letzte Meldungen). Ich mache das auch. Und an der Strasse fällt mir ein, dass ich gar kein Auto habe.
Nachdem ich kürzlich über ein selbstbestimmtes Sterben nachgedacht habe... bin ich mal durchs Netz zum Thema, bei Dignitas ein schönes Zitat gefunden:
«Wenn ich sterbe, soll mir das Leben unter Vollnarkose herausgenommen werden, als wäre es ein erkrankter Blinddarm. Aber dieses Vorrecht wird mir nicht zuteil werden, denn ich habe das Pech, dass ich als Angehöriger der Spezies Homo Sapiens zur Welt gekommen bin und nicht etwa als Hund (Canis familiaris) oder Hauskatze (Felix catus). Das gilt zumindest dann, wenn ich nicht in ein aufgeklärteres Land wie die Schweiz, die Niederlande oder den US-Staat Oregon ziehe. Warum gibt es nur so wenige aufgeklärte Regionen? Vor allem weil die Religion so starken Einfluss hat.» aus: Richard Dawkins, Der Gotteswahn
Überlege, mir das Buch zu bestellen.
“5 Kilo runter bis zum Sommer- und was ist Ihnen wichtig?”, fragt eine Frauenstimme, aus dem Fernseher in den Raum hinein: Werbung, Weight Watchers. Was mir wichtig ist? Gut, 5 Kilo sind wohl ziemlich genau das, was ich zuviel an Speck mit mir rumtrage- das ist mir im Moment nicht wichtig, das ist mir grade scheissegal. Wichtiger ist mir da schon, nicht unbedingt in der nächsten Zeit zu sterben: Ich leb so gern, im Augenblick. Schon gar nicht will ich von der Schweinegrippe hingerafft werden. Ich weiss nicht genau, wie ich sterben will. Vielleicht möchte ich meinen Todeszeitpunkt selbst bestimmen. Mir fällt die Geschichte von Daniel Kehlmann ein: “Rosalie geht sterben”, aus “Ruhm” (empfehle ich hiermit mal als äusserst lesenswert). - Wenn ich wüsste, dass ich bald sterbe, würde ich ganz bewusst Abschied nehmen wollen, würde ich meinen Abschied feiern wollen, eine Vorbeerdigung mit allen Menschen, die sich mir im Herzen tummeln, ein fröhliches Fest, und gut, vielleicht ein paar Tränen zwischendurch. Nach dem Fest würde ich mich an einen schönen, vertrauten Ort begeben, mein Schlafzimmer vielleicht, und dann würde ich mich auf sanfte Art selbst an den Tod übergeben. Vielleicht erstmal Morphium, dann euphorisiert und verträumt das Leben Revue passieren lassen, bitte nur die schönen Momente. Ist es zuviel verlangt, dass ich in den Armen von G. sterben möchte? Kann ich ihm das zumuten? Ist es schrecklich, einen sterbenden Menschen in den Armen zu halten? Ist es schön, ihn bis in den Tod zu begleiten? - Sei's drum: Denke, G. und ich müssen optimalerweise gemeinsam sterben. Ohne ihn will ich nicht sein, und ich will nicht, dass er ohne mich weiterlebt. Ehrlich, ich wünsche ihm nicht unbedingt, dass er ohne mich glücklich wird, ich will die Einzige sein. Bin ich nicht: Bin nicht die Erste. Vielleicht aber die Letzte.- Auf jeden Fall: Angenehm sterben. Vorsichtshalber Paspertintropfen gegen mögliches Erbrechen. Dann süss betäuben, ach, eine Opiumpfeife!, in G.s Augen schaun und Liebe strahlen sehn- unser gemeinsames Leben. Ein letzter Kuss, eine tiefe Umarmung. Dann Natriumpentobarbital, 15 mg, man schläft innerhalb von zwei bis fünf Minuten ein, fällt dann in ein Koma, schliesslich setzt die Atmung aus. Scheint mir ein angenehmer Weg des Sterbens zu sein. Jedenfalls besser, als an Schweinegrippe elend zu verrecken. Was für ein dämlicher Tod... Schweinegrippe!- was ist da aktuell genau Sache? Ich mach mich mal schlauer. Hier gibt's nähere Infos zum Thema:
Freitag heute, ein arbeitsfreier Tag für mich, und was fällt mir ein? Die Sonne lacht: Da muss doch mal der Grauschleier aus der Hütte! Versüsse mir die leidige Hausputzerei mit Musik. Mal wieder was Älteres, Nick Cave and the Bad Seeds, "Let love in", etwa 1994. Ich mag "Do you love me". Beschalle die Welt damit und gerate ins Bewegen. Vielleicht kann man 'tanzen' dazu sagen. Tanzen mit dem Wischmob. Ich weiss nicht, woran es liegt, aber wenn ich Cave höre, wächst bei mir die kreative Lust. Also schnell putzen und heut nachmittag in den Garten, nicht nur die Sonne geniessen, auch das Schreiben.
Als mein Vater so alt war wie ich es jetzt bin, wurde er von Lungenkrebs zerfressen. Meine Lunge pfeift so komisch beim Atmen... wenn ich abends meine vierzigste Zigarette rauche, muss ich husten. Morgens huste ich auch. Überhaupt, ich huste ständig, seit Wochen schon. Ich denke an meinen toten Vater und überlege, mich einer Lungenkrebsfrüherkennungsuntersuchung zu unterziehen.
'Oder rauch' einfach mal weniger', sagt ein Winzling in meinem Hinterkopf. Das ist ein Idiot.
Was täte ich, wenn ich wüsste, ich hätte jetzt noch höchstens zwei Jahre Lebenszeit? Ich weiss es nicht.
Aber aufhörn zu rauchen würd ich dann auch nicht mehr.
Ich weiss noch nicht ihren Vornamen, weiss noch nicht, wie sie aussieht, weiss insgesamt noch nicht viel über sie, aber ich weiss, dass sie Smitkowski heisst und in der U-Bahn sitzt. Sie steigt aus am Mehringdamm. Geht zur Kreuzbergstrasse, da hat er mal gewohnt. Und wie sie von einer alten Bekannten erfahren hat, lebt er jetzt angeblich immer noch dort, im gleichen Haus. In diesem Haus hat sie ein herrliches Wochenende erlebt, drei satte Tage, mit ihm. Wie heisst er? Mal sehen. Er kam auch aus dem Ruhrgebiet. Smitkowski war damals mit einer Freundin für eine Woche in Berlin. "Wir sehn uns wieder, und dann gehts weiter", hatte er zum Abschied gesagt. Das war vor fünfzehn Jahren. Seitdem hatte sie keinen Kontakt mehr zu ihm. Hat ihn nie wiedergesehen. Hat ihn vergessen. Bis neulich, da hat sie von dieser Abschiedszene geträumt, ein nächtlicher Traum, erstaunlich realistisch, ein helles Gefühl beim Aufwachen. Seitdem steht ihr sein Lächeln im Sinn: "...und dann gehts weiter". ... (to be continued)
"Smitkowski" heisst ein lieber Kollege von mir, und gestern abend stand mir plötzlich im Hirn, dass das ein brauchbarer Name für eine Figur sein kann... ich mag "Smitkowski". Dieser Nachname ist in Deutschland fast ausschliesslich im Ruhrgebiet und im Ennepe-Ruhr-Kreis zu finden; meine Protagonistin kommt vielleicht aus Dortmund, oder Bochum. Oder Herne. Ist vielleicht auch nicht unbedingt wichtig.
Aus Gründen, die ich nicht kenne, fühle ich mich unvollständig gekleidet, richtig nackt, wenn ich kein Parfum benutze. Und unter den vielen wählbaren Duftwässerchen, an denen ich schon gerochen habe, gefallen mir eher wenige wirklich gut.
Der Duft, mit dem ich mich zur Frühlings- und Sommerzeit morgens bestäube, ist laut Werbung "für die Frau, die den Augenblick zu genießen versteht. Die fruchtig-frische Kopfnote spielt mit den Essenzen und Aromen aus Apfel, Litschi und schwarzer Johannisbeere. Dann wird die Aufmerksamkeit auf die blumige Herznote gelenkt, bestimmt durch Jasmin, Rose und Maiglöckchen. In der Basisnote ist ein aufregender Duft von Moschus, Sandelholz und Tonka eingefangen".
Aha. Ist übrigens "Escape" von Calvin Klein.
Neulich in der Kulturwerkstatt ging mir der Geruch von G. in die Nase, sehr angenehm in die Nase, und ich fragte nach und erfuhr von ihr, dass das "L'eau D'Issey" ist, von Miyake. Passt auch gut zum Frühling. Hier aus der Werbung: "Der aquatische Blütenduft mit holziger Basis zelebriert das aufregende Aufeinandertreffen von Orient und Okzident. Lassen Sie sich von dieser exquisiten Harmonie aus Lotus, Rose, Lilie und edlen Hölzern verzaubern". Aquatischer Blütenduft? Wie auch immer, ich hab's mir grad mal bestellt. -
Warum immer Parfum? Wirklich, keine Ahnung. Rieche nämlich naturmässig, unbeduftet, auch ziemlich gut. Finde ich jedenfalls. Und sonntags, wenn allein mit meinem Liebsten, da bin ich gerne nackt.
Ich stöbere gerade durch einige interessante Blogs, als durchs weit geöffnete Fenster erstes Donnergrollen zu mir dringt, Tropfen klatschen schwer auf den Asphalt, der Nachbarsköter kläfft, helles Zucken am schwarzen Himmel. Wollte eigentlich noch was schreiben, werde das aber morgen ganz früh machen, jetzt erstmal ins Bett kuscheln und das Gewitter geniessen-
... gerade in der Rauchpause...standen mir plötzlich diese Zeilen im Sinn:
eine SpermaTräne
rinnt mir warm über die Wange
und ich lächle
(spürbar beglückt)
...
der Mutterbusen nährt nicht mehr
liegt längst schon in Verwesung
komm trink bei mir die süsse Milch damit du nicht zu sehr vertraurigst still deinen traurig Liebesdurst
damit du nicht traurig verdurstest
- ach was weiss ich.
...
Na ja. Morgen ist der 15te, Redaktionsschluss beim Willi,
und ich hab noch nix produziert, nix Gscheites jedenfalls...
wird wieder auf den letzten Drücker. Ach, sei's drum... :-(
Als leidenschaftliche Raucherin schätze ich sehr, dass es in unserer Firma eine nette Raucherkantine gibt; von dort gelangt man auf eine Terrasse mit Tischen und Stühlen im üppig begrünten Innenhof, so dass meine Raucherpausen jetzt im Frühling tatsächlich einen gewissen Erholungswert haben... Käffchen, Kippchen, in die Sonne blinzeln oder Ameisen beobachten... so emsig wie die bin ich wohl kaum? In den Pausen bitte nicht an die Arbeit denken (manchmal allerdings kann ich's nicht vermeiden). - Heute morgen hat mich keine Krähe hier in Soest begrüsst, kein einziger Rabenvogel im Luftraum über dem Bahnhofsvorplatz. Im Winter lässt mich das Krähengeschrei an Nietzsche denken... "wohl dem, der jetzt noch Heimat hat"**. In kalter Winterluft klingt die Beschallung anders als im Frühling oder Sommer. - Mal schaun, vielleicht sind die Krähen heute nachmittag wieder da und verabschieden mich dann in den Feierabend. Neulich erzählte mir ein Kollege, dass man im letzten Jahr hier im Städtchen zahlreiche Krähennester aus den Bäumen entfernt hat, um die Vögel loszuwerden: Weil sie soviel Krach machen, die Anwohner fühlten sich lärmbelästigt... vom Vogelgeschrei, tatsächlich, nicht vom Verkehrsgetöse... wie auch immer, ich bin recht arbeitsträge heute und werde gleich nochmal eine rauchen gehn. -
** Hier mal das Nietzsche-Gedicht "Vereinsamt", das mir winters die Krähen in den Brustkorb schrein... und das zu meinen liebsten Lyrik-Stücken gehört:
Die Krähen schrein
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnein. -
Wohl dem, der jetzt noch Heimat hat!
Nun stehst du starr,
Schaust rückwärts, ach! wie lange schon!
Was bist Du Narr
Vor Winters in die Welt entflohn?
Die Welt - ein Tor
Zu tausend Wüsten stumm und kalt!
Wer das verlor,
Was du verlorst, macht nirgends halt.
Nun stehst du bleich,
Zur Winter-Wanderschaft verflucht,
Dem Rauche gleich,
Der stets nach kältern Himmeln sucht.
Flieg, Vogel, schnarr
Dein Lied im Wüstenvogel-Ton! -
Versteck, du Narr,
Dein blutend Herz in Eis und Hohn!
Die Krähen schrein
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnein. -
Weh dem, der keine Heimat hat.
Die Sonne hängt grad hinter einer Scheibe aus Milchglas. Aktuelles Wetter in Hamm: Haze. Samstag- und Sonntagabend jeweils einige Bierchen gehabt, vielleicht auch zwei zuviel, und heute: Der Kopf ist wattig, der Körper träge, das Herz will schreiben, das Hirn ist nicht brauchbar. Muss noch einen Text für's Stadtmagazin abliefern, ein Lyrik-Stück, bis übermorgen eigentlich. Habe noch keinerlei Idee. Herausgeber Sloopy kennt meine Verspätungen. Morgen ist ja auch noch ein Tag: Ich hasse mich manchmal für diese Trödelei. - Was ich mir unbedingt merken will: Die Krähen, diese schönen Rabenvögel, die mich werktäglich in Soest mit ihrem Geschrei begrüssen. Ja, dort in den Bäumen auf dem Bahnhofsvorplatz haben sie ihre Nester, schwirren schreiend über den Platz, und ich bilde mir ein, sie begrüssen mich: Hallo, Dir einen guten Arbeitstag. Jedenfalls denke ich das jetzt in der Frühlingszeit. Im Winter war das anders. Da haben sie mich melancholisch gemacht und auf eine Idee gebracht: Die Krähen werden eine Rolle spielen in einer Paulchen-Geschichte. Weiteres später hier im Blog.
The times, they are changing...: Früher ganz leibhaftig ostermarschiert, oder zu Demos gefahren... meine vorletzte Demonstration war eine Antifa-Kundgebung, hier in der Stadt; das war vor drei Jahren, war mit G. dort, und wir beide, vierzig und fünfzig Jahre alt, gehörten tatsächlich zum älteren Gestein dabei. Auch auf der Hanfparade letzten Sommer in Berlin tummelten sich nicht gerade viele Leute unserer Altersregion. So richtig hoch krieg ich den Arsch ja auch nicht immer... Mache einiges online, urgent actions für amnesty, zum Beispiel. Heute morgen war ein Aufruf zum online-Ostermarsch in meiner Mailbox, von Campact / Demokratie in Aktion: "Bombodrom verhindern –Nein zum größten Bombenabwurfplatz Europas". Auf der Couch lümmelnd, Notebook auf den Knien, bin ich online mitmarschiert... ha! Wenn ich mir die Teilnehmerzahlen der Campact-Aktionen ansehe, denke ich: Das ist nicht schlecht.
Das Literaturarchiv Marbach archiviert dieses digitale Notizbuch als ausgewählte Online-Publikation. Ziel des Projekts im Verbund mit der Dt. Schillergesellschaft ist es, der Wissenschaft relevante Netzliteratur langfristig zur Verfügung zu stellen.
Aktuelle Beiträge
TraumSchluss
da schläft ein Lied in mir
und will, dass ich es wecke
es...
monehartman - 2. Jun, 19:15
bye bye
Sterben ist in den Körper gekrochen
und breitet sich...