Sonntag, 12. November 2017

Tristesse

Sonntagmorgen, Blick aus dem Fenster: Grauer Himmel, Nieselregen macht die wenigen Blätter schwer, die noch braun und welk am Ahornbaum hängen; im Haus gegenüber sind die Jalousien heruntergelassen, auf dem Gehweg trottet ein älterer Mann neben seinem Strassenköter her, beide mit hängenden Köpfen- der Anblick dieser November-Tristesse macht mir gute Laune. Ein Kaffee jetzt, und frisch ans Werk.

Samstag, 4. November 2017

um den Verstand

oben in der Ferne
lachen dreitausend Silbersterne
wir lachen auch: lachen uns
geistreich um den Verstand
fallen aus Welt & Zeit
in Ewigkeit

gotteslüstern

bin ein Mensch, also viel zu klein
für die ganz grosse Liebe
mein Sehnen schmerzt
so süss wie bittere Mandeln
und ich giere, gotteslüstern

Moder

unter der blassen Sonne
lieg ich rücklings, Augen zu
auf einem Bett aus buntem Laub
riech die Erde so nah
& in der Ferne schon den Moder

Mittwoch, 4. Oktober 2017

toter Köter

unterm Walnußbaum
der modrige Kadaver eines treuen Freundes
die Baumwurzeln trinken aus dem toten Köter
...
Nährstoffe für die Nüsse

kleine Kreise

mein Sinn mein Wahn mein Lippenstift
ich schwemme überschwemme
deine kleinen Kreise
ich flute überflute dich
dein Standardhirn säuft ab

scheitert im Oktober

kristalline Tröstung
scheitert im Oktober
ein Hauch von Schnee
in der Luft
die Toten kommen zurück
und wie schreibt man:
Gemütlichkeit?


aus dem Textprojekt #egomone / micropoetry
http://twitter.com/ego_mone

Dienstag, 26. September 2017

fröhliche Zerstörung

#egomone
ein Text-Projekt: Grössere TextKörper werden mit fröhlicher Willkür zerstört, die Bruchstücke neu gemixt, verarbeitet zu Kleinoden mit maximal 140 Zeichen und ins Netz gehängt: Twitteratur auf der Timeline. Ausgangsmaterial sind Lyrik und Prosa aus der Textsammlung "Bestien", Verlag Rote Zahlen 2017. Mehr dazu auf der Website: http://monehartman.com/egomone


Lese-Quickie

Dienstag, 19. September 2017

drei Schüsse für die Mama

das Kind bewaffnet sich. und schnell noch das Glas Milch, den schweren Tornister aufgesetzt, die Mutter drängelt. dann der Weg zur Schule, Löwenzahn am Wegesrand, drei gelbe Blumen für Lena, die Referendarin. »die sehen ja schön aus, die Blümchen«, sagt die Mutter. zwei Stunden später schon der Weg nach Hause, das Kind rennt, allein, Löwenzahn am Wegesrand, drei gelbe Blumen für die Mutter. Atemnot und rote Wangen.
zu Hause dann die Schusswaffe aus dem Ranzen geholt; das Gerät ist groß in Kindeshand.
drei Schüsse für die Mama dann: Stirn, Herz, Bauch.
dann steckt das Kind die Blumen in die Mutter,
in jedes Schussloch eine. Blut mischt sich leuchtend ins Gelb.
»so sehn die Blümchen noch viel schöner aus, Mama!«,
ruft das Kind und singt ein Lied.



.............................................................
aus: Bestien, Textsammlung Mone Hartman
Rote Zahlen Verlag 2017 -
Leseproben & Shop: http://monehartman.com

Freitag, 15. September 2017

Gott ersoffen

Paula schaut und überall Scheitern
Untergänge blühn
aus kranken Geistern und kalten Herzen
die Welt rauscht runter den Bach
der besprudelt blutig den Vollmond
eine Wölfin heult Richtung Himmel
bis ihre Kehle nur noch heiser jault
überdröhnt vom Donnergalopp
der apoklyptischen Reiter
das rote Pferd
macht Pause und pisst eine Pfütze
Gott ersäuft im Urin
und Paula:
tanzt


.....................................................................
aus BESTIEN, Lyrik und Prosa, Verlag Rote Zahlen 2017
Leseproben und Shop: http://monehartman.com

Dienstag, 12. September 2017

OH NA! NIE?

zur blauen Stunde
entstöhnt sich tiefer Brust
aus feuchtem Munde
süßbitter eine Honiglust
die Zigarette danach
raucht sie allein


auch dieser kurze Text ist enthalten in der Publikation
BESTIEN, Lyrik und Prosa, Verlag Rote Zahlen 2017
Leseproben und Shop: http://monehartman.com

Donnerstag, 7. September 2017

Bestien - Lyrik und Prosa

Prägnant und pointiert schreibt Mone Hartman über existentielle Themen wie Liebe und Lust, Schmerz und Vergeltung, Tod und Verlust, Wahn und Sinn, Wahrheit, Hoffnung und Sehnsucht.
Sprache und Stimmung wechseln mit den Texten: Mal fröhlich und verspielt, mal nachdenklich und ernst; mal rotzig und provokant, wild und brutal, dann still und melancholisch; mal nüchtern, dann pathetisch; mal direkt und unverblümt, dann bildreich und poetisch.

"Hartmans Texte sind nicht "schön", aber ehrlich- und entwickeln ihre ganz eigene lyrische Ästhetik... wild, lebendig, brutal, fröhlich und traurig" (WA)
Leseproben und Kaufmöglichkeit auf http://monehartman.com

Bestien-Textsammlung-Mone-Hartman

Mittwoch, 6. September 2017

Tinten-Penis

Ich trank ein Glas Wasser mit Schuss: Tinte, königlich oder kaiserhimmlisch, ein Gesöff mit blauem Gequirl und mit Kohlensäure versetzt. Irgendwann musste ich urinieren und ging aus dem Haus. Draußen Schnee, und ich war nackt und allein in einer häuserlosen und menschenleeren weißen Welt.
Mit der rechten Hand nahm ich meinen Penis und pinkelte los. Mein Urin war blau und formte sich im Schnee zu Buchstaben, Wörtern, ganzen Sätzen. Ich pinkelte nicht nur meinen Namen in die Landschaft, sondern in weniger als zwei Minuten hatte ich mit meinem Tinten-Urin eine ganze Geschichte in den Schnee geschrieben. Neugierig wollte ich loslesen, aber die Sprache, die ich hingepinkelt hatte, war mir plötzlich fremd, völlig fremd, und als ich enttäuscht ins Haus zurückging, hörte ich meinen Penis leise kichern.

Donnerstag, 23. März 2017

Ungenügen

dass ich Dich liebe
sage ich selten

meine Gefühle für Dich
sind gross und grösser und
mehr als Alles
passen kaum in diese drei
kurzen Worte, die seit Jahrhunderten
über ungezählte Lippen kommen
verblichen und abgenutzt
auch besudelt von Lügen

ich schreibe Dir Briefe
lang und länger
und umkreise doch nur
den schönen Zauber,
die Einzigartigkeit

wenn ich versuche
zum Wesentlichen vorzudringen
zum Kern zu kommen
brechen die Sätze
zerfällt meine Sprache

dass ich Dich liebe
sage ich selten und wenn,
dann ist es eine Lösung
in der Not

einzig diese Blicke,
die wir uns manchmal schenken
umfassen uns ganz und
sagen wortlos, was ist

Donnerstag, 2. März 2017

Strukturen

(...) Die einfache Strukturiertheit mancher Zeitgenossen tut mir körperlich weh. Mit Schmerzgrimasse trinke ich einen Schluck Malzbier aus der Flasche und drifte aus der Unterhaltung, in der ich seit einer Viertelstunde als blosser Zuhörer feststecke. Will nicht unhöflich sein, will die überraschenden Besucher nicht abrupt aus meiner Wohnung bitten; suche aber gedanklich schon nach einer glaubwürdigen Ausrede. Tut dir irgendwas weh?, werde ich gefragt und mich drängt ein Impuls, einfach die Wahrheit zu sagen. (...)

(Auszug)

Montag, 13. Februar 2017

Radius Null (facebook-flarf)

ich spiele den Freund
ohne Anspruch auf Vollständigkeit
Kleinigkeiten für Lieblingsmenschen
effektives Ganzkörpertraining
Patient stabil auf dem Besserungsweg
aufgewärmtes Gehirn
noch nie war Abnehmen so leicht
kognitive Herausforderungen
im Irrsinn der Welt
ein Kreis mit Radius Null

Sonntag, 5. Februar 2017

hallo Welt

Öffne das Fenster und lehne mich raus in die kalte Frische; einige weisse Wolkenschwaden im Himmelblau. Hallo, sonnige Welt!, ruf ich auf die Strasse runter: Warte kurz, ich komme!

Gegenentwurf (ein facebook-flarf)

reichweitenoptimierte
Algorithmen sozialer Netzwerke
wir lesen euch da durch
sinnloses Zeug
organisierte Manipulation
Leute, die das Leben kennen
eine neue Sprache
landet im Abfall
Optimismus tut Herzen gut
die schlagen alle höher, im
Rhythmus von Körper und Geist
perfekte Strategie
und irgendwie wollen alle,
dass du über kleine
Küchenschränke redest
ein Feldversuch
es ist Zeit, etwas zu tun



** facebook-flarf: eine Text-Collage aus fragmentierten Postings (m)einer facebook-timeline.
FLARF allgemein, im deutschsprachigen Raum: Eine Art Text-Collage, deren Grundlage Fragmente von Ergebnissen einer bestimmten Suchmaschinen-Abfrage sind.
Detaillierte Informationen: https://de.wikipedia.org/wiki/Flarf **

Freitag, 3. Februar 2017

Unsterblichkeit

grosse Liebe gestorben an allergischem Schock?
Kommissarinnen-Duo ermittelt in Mordfall
nimm das nicht allzu ernst
sieh die latente Lächerlichkeit
lass uns mal soziale Energien tauschen
keine Anmeldung nötig
bürgerliche Aggregate der Sirenenmaschine:
Liebe und Wahnsinn
zentralfaszinierende Motive
Forschung gibt Antwort
ich steige jetzt in einen Rettungshubschrauber
O sink hernieder,
Nacht

*aus dem Flarf-Zyklus (6)*

... these words I write keep me from total madness ... (BUK)

Archivierung DLA

Das Literaturarchiv Marbach archiviert dieses digitale Notizbuch als ausgewählte Online-Publikation. Ziel des Projekts im Verbund mit der Dt. Schillergesellschaft ist es, der Wissenschaft relevante Netzliteratur langfristig zur Verfügung zu stellen.

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Kommentare

manchmal denk ich doch,...
manchmal denk ich doch, ja ;-)
notiertes - 19. Sep, 13:04
Dein Text erinnert mich...
Dein Text erinnert mich an meine Kindheit- auch ich...
bonanzaMARGOT - 7. Aug, 17:57
bitte entschuldigen Sie...
bitte entschuldigen Sie meine späte Reaktion-...
notiertes - 7. Aug, 17:50
:-)
:-)
abendGLUECK - 25. Feb, 10:45
jo. sehr sauber ;-) danke...
jo. sehr sauber ;-) danke fürs lesen und liebe...
notiertes - 27. Feb, 10:35

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