Mittwoch, 11. Januar 2012

südliche Mitte

ich bin ein Mensch,
sagt Paula,
also viel zu klein
für die ganz grosse Liebe-
Sehnen und Sucht gieren weiter
gotteslüstern, schmecken
nach bitteren Mandeln
und riechen
wie ein fremdes Land

Mittwoch, 4. Januar 2012

galaktischer Bummel

wir schlüpfen unter die
NachthimmelDecke
mit Sternen bestückt
der Mond sichelt silbern
wir brauchen Myriarden Jahre
um einmal durch die Milchstrasse
zu bummeln

bis morgen früh
schaffen wir das
und am Ende der Nacht
wenn ich will
werd ich dich wecken
mit Kaffee, Kuss und einer
Melodie, die ohne Worte
jeden Tod aus dem Hirn singt

Montag, 12. Dezember 2011

fruchte mich

ach du
ich bin des Kreisens ganz müde
des dunklen Kreisens hinter meiner Stirn
stecke fest in Windungen
Falten und Furchen und
nirgendwo ein Fenster
ach du
komm küss mir
dein Herz in den Schlund
jeder Schlag eine fröhliche Faust
die wird mich frisch bepulsen
ach du
steck mir die Zunge tief
in die graue Substanz
bring Aufruhr in meine Synapsen
komm fruchte mich mit Sonnenlach
ach du
ich bin des Kreisens so müde


(ein Text aus 2008, jetzt wieder aus dem Netz gefischt vom Verlag Rote Zahlen

Mittwoch, 30. November 2011

Oh du fröhlicher Kneipenchor...

(kleine HeiligAbend-Szene mit 4 Freunden,
munterer Musik und einem Gastauftritt der Muppets)

- Skizze -

um den Esstisch sitzen satt und guter Dinge
Anna, Gülisan, Achim und Simon
hocken vor den Resten ihres Mahls:
eine mediterrane Kartoffelsalatvariante und
Wiener Würstchen
Rinderköfte und Bulgursalat mit Minze /
Vogelmilch Konfekt Geschmacksrichtung Vanille
Bratäpfel und
Waldmeister-Wackelpudding auf Vodkabasis
als koscheres Dessert

dazwischen Gläser Tassen Flaschen
Wein und Bier und Mocca
eine Shisha eine Bong sie hören
'Ihr Kinderlein kommet' von den Toten Hosen
„oh kommet doch all / und seht was in dieser
hochheiligen Nacht
das Gras aus Jamaika für Freude uns macht“
am Ende des Liedes wirft Anna ihren Blick
Richtung Zimmerdecke und sagt:
lieber Christengott, für den Fall, dass es Dich gibt
möcht ich Dich jetzt freundlich bitten:
vergib den Menschen

ihre Weihnachtsfeiern. und erlöse sie von allen Übeln
speziell von dem der Banker und Nazis, grinst Achim
Simon sagt:
schlagt ihm lieber vor, diesen Planeten zu erlösen,
vom Übel der Menschkreatur
ach die Menschheit, meint Anna, dauert eh
nicht mehr ewig, ist nur ein winziger Ausrutscher
in der Entropie des Universums.
Ausrutsch und Wegflutsch. nicht weiter wichtig

sie lachen und Gülisan sagt: chapeaux!
jetzt lasst uns froh und munter sein
und lieb zu den Menschen, dann klappts auch
besser mit dem
Weltfrieden, amin / während sie den Rest
des Wackelpuddings vernaschen
reden sie gutgelauntes Zeug, dann ziehn sie los
durch die Strassen, zur Stammkneipe /
die alljährliche HeiligAbendParty
beliebtes Motto-Event neben Indie-Nächten,
Poetry Slams und Retro-Feten

sie feiern dort weiter in fröhlicher Runde
verschwenden sinnvoll ihr Weihnachtsgeld
und bescheren sich mit Lachgeschenken

irgendwann läuft auf dem Flatscreen ein Video
von den Muppets
sie singen den Jingle Bell Rock / und die ganze Kneipe stimmt ein:
„kriegt auch das Christkind dabei einen Schock-
JINGLE AROUND THE CLOCK!"
... nach dem ersten Schreck tanzt es dann doch

Gülesin tanzt schon lange
mit ihrem Kollegen aus der Pathologie
Achim erinnert Simon daran, dass der singende
Muppet Dr. Goldzahn auch diese verdammt
feine Maschine erfunden hat
die pures Gold in Hüttenkäse verwandelt
und Simon sagt: Ich könnt jetzt glatt schon wieder
was essen / Anna war kurz auf dem Klo
hat an Miss Piggy gedacht und etwas verspätet
fiel ihr ein frommer Weihnachtwunsch ein
den schreibt sie jetzt lächelnd
mit schwarzem Kajal auf den Spiegel:

liebes Christkind,
lass mich wenigstens einmal im Leben
als Schwein durchs Weltall schweben

LG Deine Anna

Samstag, 22. Oktober 2011

Novemberlust

die Lichter der Lampen im Stadtpark
tanzen blass auf schmutzigen Nebeltröpfchen
braune Baumskelette stecken tief
im laubigen Matsch der frühen Morgenkälte

aus dem Schweigen dieser Gerippe fallen plötzlich
hundert Raben Richtung Himmel
zerreissen die Luft mit hartem Geschrei
tragen auf schwarzen Flügeln
den drohenden Tod in die Welt

ich rieche mein Sterben
und atme das Lächeln meines Engels
der mir mit seiner Honigzunge
eine warme Sonne ins Herz küsst
dass mir der Frühling lacht in Winternächten

und hundert Raben werden meine Freunde
begleiten mich mit weichem Gekreisch
auf dem Weg ins ewige Etwas

(1. Entwurf)

Sonntag, 18. September 2011

Positivblitz

der Abendhimmel gelblichgrau, drunter bläulichdunkel
Zerrissenheiten schnell + Wind + Wind + Wolkenfetzen
durch die Bäume lautes Rauschen,
kein Vogel singt / die Vögel
schweigen

ich aber
schrei zum Wettergott
auf der Wiese vorm Haus
der Himmel heult mich nass + grollt mir donnernd um den Schädel
wild wild wilder will ich Wetter,
Sturmpeitsche + Regensturz: flute meine Keller,
ertränk die Leichen, die da liegen,
spühl den Moder hoch + raus
weh die Verwesung aus dem Gemäuer
schlag mir Positivblitze ins Hirn + mach mir den Geist hell

der Wettergott schickt helles Zucken
Blitze krachen

keiner schlägt ein
auch sonst geschieht mein Wille nicht

leg mich rücklings auf die Wiese, lass mich vom Gewitter küssen + grabe mit den Fingernägeln Grasbüschel aus

später lieg ich im wohligen Bett
frischgekühlt + klargeregnet
vier Stockwerke über meinen dunklen Kellern
und ich denk: was wärn die auch schon ohne Leichen
wie ein Erdgeschoss ohne klopfende Herzen
ein Dachstuhl ohne Fledermäuse

mit Mondscheinlächeln auf dem Gesicht
folg ich dem lieblichen Lockruf des Traumes
der mich erlösen wird von mir + der Welt + den Hinterhofratten

ein paar Stunden, dann bin ich wieder der komische Vogel
der den frühen Wurm frisst
+ gutgelaunt in den Tagesaufgang zwitschert

Dienstag, 13. September 2011

früh noch dunkel

Werde wach und stelle beim ersten Kaffee fest: Ich lebe! Nouveau jour, nouveau jeu, nouvelle chance.
Der Rest ergibt sich. So oder so.

Sonntag, 31. Juli 2011

Allergischer Schock [Vater nicht unser!]

besudelt war das Kind seit Geburt
mit den geerbten Sünden
des teuflischen Vaters
(Vater nicht unser!)
das steckt in der Genetik
und ein Apfel fällt nicht weit
so sagt man
vom Stamm
so brachten sie das besudelte Kind
in einen Waschsalon
doch auch nach zehn Gängen
bei neunzig Grad in der Maschine
war das Kind nicht reingewaschen
immer noch Flecken,
so sagte die Mutter
trotzdem dankten sie am Ende:
für die Erlösung vom Bösen
die Sünden des teuflischen Vaters
(Vater nicht unser!)
zwar liess das Kind sich nicht säubern
doch wegen einer Waschmittelunverträglichkeit
war es an den Folgen des allergischen Schocks
recht bald gestorben

...

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notiertes - 8. Nov, 05:32
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notiertes - 5. Feb, 21:35
...
hey bonanza, bin gerade im forum 'literarchie' über...
bonanzaMARGOT - 18. Apr, 20:21
hallo!
schön, dass du dich mal hier bei mir tummelst......
notiertes - 19. Nov, 16:32

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